Lebensversicherung im Alter – ist sie noch sinnvoll?

Viele Menschen schließen in jungen Jahren eine Lebensversicherung ab — und fragen sich Jahrzehnte später: Brauche ich die Police im Alter überhaupt noch? Die Antwort hängt stark von der persönlichen Situation ab. In diesem Artikel erfahren Sie, wann eine Lebensversicherung im Alter noch sinnvoll ist, wann Sie sie besser kündigen oder beitragsfrei stellen und welche Alternativen es gibt.

Wichtigste Punkte

  • Im Alter verändern sich die Gründe für eine Lebensversicherung: Kinder sind erwachsen, Kredite oft abbezahlt.
  • Eine Kapitallebensversicherung im Alter weiterlaufen zu lassen, lohnt sich meist nur bei günstigen Altverträgen mit hohem Garantiezins.
  • Eine Risikolebensversicherung ist im Alter teuer und oft nicht mehr nötig — es gibt aber Ausnahmen.
  • Alternativen wie das Kündigen, Beitragsfreistellen oder Verkaufen der Police sollten sorgfältig verglichen werden.
  • Für die Bestattungsvorsorge gibt es spezielle, oft passendere Produkte wie die Sterbegeldversicherung.

Warum sich die Frage im Alter stellt

Eine Lebensversicherung wird typischerweise in der Lebensphase abgeschlossen, in der die finanziellen Verpflichtungen am größten sind: Familie gründen, Immobilie kaufen, Kinder großziehen. Mit 60 oder 65 sieht die Lage meist anders aus:

  • Die Kinder sind erwachsen und finanziell unabhängig.
  • Der Immobilienkredit ist abbezahlt oder fast getilgt.
  • Das Einkommen kommt aus Rente oder Pension — ein Todesfall reißt kein Erwerbseinkommen mehr weg.

Gleichzeitig steigen die Kosten: Eine Risikolebensversicherung wird mit zunehmendem Alter deutlich teurer, weil das Sterberisiko steigt. Und eine Kapitallebensversicherung bringt in der Niedrigzinsphase oft nur magere Renditen.

Kapitallebensversicherung im Alter: behalten oder auflösen?

Bei der Kapitallebensversicherung ist die wichtigste Frage: Was bringt der Vertrag noch? Hier spielen vor allem zwei Faktoren eine Rolle:

Der Garantiezins alter Verträge

Verträge, die vor vielen Jahren abgeschlossen wurden, haben oft noch einen hohen Garantiezins von 3 bis 4 Prozent. Solche Altverträge sind heute kaum noch zu bekommen und können durchaus attraktiv sein — vor allem, wenn nur noch wenige Jahre bis zur Auszahlung fehlen.

Verträge mit niedrigem Garantiezins (unter 1 Prozent) sind dagegen meist keine gute Geldanlage mehr. Nach Abzug von Kosten und Inflation bleibt oft kaum etwas übrig.

Die Optionen im Überblick

Option Wie es funktioniert Geeignet, wenn …
Weiterlaufen lassen Beiträge werden weitergezahlt, Vertrag läuft bis zum Ende … der Garantiezins hoch ist und nur noch wenige Jahre fehlen
Beitragsfrei stellen Keine Beiträge mehr, aber reduzierte Leistung am Ende … Sie die Beiträge sparen wollen, aber die Police nicht ganz aufgeben möchten
Kündigen Vertrag wird aufgelöst, Rückkaufswert wird ausgezahlt … Sie das Geld anderweitig besser nutzen können
Verkaufen Police wird an einen Aufkäufer verkauft, meist über dem Rückkaufswert … Sie kündigen wollen, aber mehr als den Rückkaufswert herausholen möchten
Beleihen Ein Policendarlehen wird aufgenommen … Sie kurzfristig Geld brauchen, den Vertrag aber behalten wollen

Wichtig: Eine Kündigung in den ersten Jahren ist fast immer ein Verlustgeschäft, weil die Abschlusskosten dann noch nicht verdient sind. Je länger der Vertrag läuft, desto weniger schmerzhaft ist eine Kündigung — aber auch desto näher ist die Auszahlung.

Steuerliche Aspekte

Bei Verträgen, die vor 2005 abgeschlossen wurden und mindestens zwölf Jahre liefen, ist die Auszahlung in der Regel steuerfrei. Bei neueren Verträgen fällt auf die Erträge Abgeltungsteuer an (mit Freibeträgen). Wer vor einer Kündigung steht, sollte die steuerlichen Folgen mit einbeziehen — bei Altverträgen kann das ein starkes Argument fürs Behalten sein.

Risikolebensversicherung im Alter: meist entbehrlich

Die Risikolebensversicherung sichert Hinterbliebene gegen den Wegfall eines Einkommens ab. Im Rentenalter gibt es dieses Einkommen meist nicht mehr zu ersetzen. Deshalb gilt:

  • Kein Bedarf mehr: Wenn niemand finanziell von Ihnen abhängig ist, brauchen Sie in der Regel keine Risikolebensversicherung mehr.
  • Hohe Kosten: Die Beiträge steigen mit dem Alter stark an. Ein 65-Jähriger zahlt für dieselbe Summe ein Vielfaches dessen, was ein 35-Jähriger zahlt.
  • Ausnahmen: Es gibt Situationen, in denen die Absicherung auch im Alter sinnvoll bleibt — etwa wenn ein jüngerer Partner versorgt werden muss, ein Kredit noch läuft oder ein behindertes Kind dauerhaft Unterstützung braucht.

Beispielrechnung: Kosten im Alter

Alter bei Abschluss 200.000 €, 10 Jahre Laufzeit Ungefähre Monatsbeiträge
35 Jahre Nichtraucher, gesund ca. 10–16 €
55 Jahre Nichtraucher, gesund ca. 45–70 €
65 Jahre Nichtraucher, gesund ca. 90–150 €

Die Zahlen zeigen deutlich: Wer im Alter eine neue Risikolebensversicherung abschließt, zahlt hohe Beiträge für einen vergleichsweise kurzen Schutz.

Für wen eine Lebensversicherung im Alter noch sinnvoll sein kann

Es gibt durchaus Lebenslagen, in denen die Police auch jenseits der 60 noch ihren Zweck erfüllt:

  1. Jüngerer Partner: Wenn der Partner deutlich jünger ist und noch lange versorgt werden muss.
  2. Laufende Kredite: Solange ein Immobilienkredit oder ein anderer großer Kredit läuft, schützt die Versicherung die Hinterbliebenen.
  3. Unterhaltsverpflichtungen: Etwa für ein pflegebedürftiges Kind oder einen unterstützungsbedürftigen Angehörigen.
  4. Erbschaftsplanung: Eine Lebensversicherung kann Erben Liquidität verschaffen, etwa um Erbschaftsteuer zu zahlen, ohne Immobilien verkaufen zu müssen.
  5. Bestattungskosten: Wer seine Beerdigung finanziell absichern möchte, ohne Angehörige zu belasten.

Alternativen zur klassischen Lebensversicherung im Alter

Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung ist speziell für Bestattungskosten gedacht. Die Versicherungssummen sind überschaubar (meist 5.000 bis 15.000 Euro), die Gesundheitsprüfung ist einfach oder entfällt ganz. Für viele ältere Menschen ist sie die passendere Lösung als eine große Lebensversicherung.

Achtung: Bei vielen Tarifen gibt es Wartezeiten von ein bis drei Jahren — stirbt die versicherte Person in dieser Zeit, wird nur ein Teil der Summe oder nur die eingezahlten Beiträge ausgezahlt.

Bestattungsvorsorgevertrag

Alternativ kann man direkt mit einem Bestattungsunternehmen einen Vorsorgevertrag abschließen und das Geld auf einem Treuhandkonto hinterlegen. Das sichert die Wünsche für die eigene Bestattung konkret ab — ist aber keine Versicherung.

Geldanlage statt Versicherung

Wer ohnehin über Ersparnisse verfügt, braucht für die Bestattung oft gar keine Versicherung: Einfach einen entsprechenden Betrag auf einem Tagesgeldkonto zurücklegen und die Angehörigen informieren. Das ist flexibler und kostet keine Versicherungsprämie.

Checkliste: So treffen Sie die richtige Entscheidung

Gehen Sie diese Fragen Schritt für Schritt durch:

  • [ ] Ist jemand finanziell von mir abhängig? (Partner, Kinder, andere Angehörige)
  • [ ] Laufen noch Kredite oder andere große Verpflichtungen?
  • [ ] Welchen Garantiezins hat mein Altvertrag, und wie lange läuft er noch?
  • [ ] Was bringt ein Verkauf oder eine Kündigung netto ein (nach Steuern)?
  • [ ] Gibt es günstigere Alternativen für meinen tatsächlichen Bedarf (z. B. Sterbegeldversicherung)?
  • [ ] Habe ich meine Bezugsberechtigten aktuell benannt?

Bei Unsicherheit hilft eine unabhängige Beratung — etwa bei einer Verbraucherzentrale. Dort erhalten Sie eine neutrale Einschätzung ohne Verkaufsinteresse.

Häufige Fragen

Kann ich eine Lebensversicherung auch im Alter noch neu abschließen?

Ja, das ist möglich — allerdings nur bis zu einem Höchstalter, das je nach Anbieter bei etwa 65 bis 75 Jahren liegt. Die Gesundheitsprüfung fällt im Alter strenger aus, und die Beiträge sind hoch.

Was passiert, wenn ich die Beiträge nicht mehr zahlen kann?

Sie können den Vertrag beitragsfrei stellen — dann endet die Beitragspflicht, und die Versicherungssumme wird entsprechend reduziert. Eine Kündigung ist nicht die einzige Option.

Lohnt sich der Verkauf der Police an einen Aufkäufer?

Häufig ja: Spezialisierte Unternehmen zahlen für Kapitallebensversicherungen meist mehr als den Rückkaufswert des Versicherers. Holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie mit dem Rückkaufswert.

Fazit

Im Alter sollte jede Lebensversicherung auf den Prüfstand: Passt der Vertrag noch zu meiner Lebenssituation? Altverträge mit hohem Garantiezins können sich lohnen, teure Risikopolicen ohne Versorgungsbedarf meist nicht. Prüfen Sie Kündigung, Beitragsfreistellung und Verkauf sorgfältig — und denken Sie an passende Alternativen wie die Sterbegeldversicherung, wenn es nur um die Bestattungskosten geht.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Wenden Sie sich bei Fragen zu Ihrer individuellen Situation an einen unabhängigen Berater oder eine Verbraucherzentrale.

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